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Life, Sommer

Interview: Ziel – Marathon!

In diesem Beitrag dreht sich alles um das Thema Laufen. Besser gesagt, einen Marathon laufen. Wir haben unsere Freundin Lina, die in den letzten Jahren einiges an Marathonerfahrung sammeln konnte und mit Leidenschaft und jeder Menge Selbstdisziplin läuft. Es ist immer wieder beeindruckend, zu was ein Körper fähig ist und wir wollten immer schon wissen, wie man es schafft so lange durch zu laufen. Wenn euch das auch interessiert oder ihr sogar selbst plant einen Marathon zu laufen – unbedingt weiterlesen….

Von 0 auf 42 Kilometer… Liebe Lina, du warst ja nicht schon immer eine Läuferin sondern hast eigentlich erst vor einigen Jahren mit dem Laufsport begonnen. Deine Steigerung zum Marathon ist daher sehr beeindruckend und ging recht schnell, oder?

Lina Unteregger: Wie man es nimmt. Ich laufe seit ca. vier Jahren wirklich regelmäßig, vorher habe ich lange Zeit gar keinen Sport gemacht und dann einige klassische Programme in die Richtung „Bikini Body Guide“ absolviert . Mit der Zeit habe ich aber festgestellt, dass mir das Laufen gut tut und dabei hilft, den Kopf freizubekommen. Eine gute Freundin von mir hat ebenfalls begonnen, regelmäßig zu laufen, und die Idee aufgebracht, wir könnten doch an einem Halbmarathon teilnehmen. Für mich ist es damals unvorstellbar gewesen, 21 Kilometer zu laufen. Meine Freundin hat uns über einen Bekannten einen Trainingsplan organisiert und mich motiviert, diesen gemeinsam mit ihr durchzuziehen. Im Mai 2016 sind wir gemeinsam beim Wings for Life Run in München mitgelaufen und im Juni 2016 sind wir tatsächlich an der Startlinie unseres ersten Halbmarathons (Mondseelauf) gestanden. Beim Wettbewerb habe ich dann so meine Schwierigkeiten gehabt, aber ich bin ins Ziel gekommen und war stolz auf mich. Meine Zeit lag damals so bei 2:10. Daraus ist der Wunsch entstanden, mich zu verbessern. Ich habe beschlossen, im Oktober desselben Jahres beim Jedermannlauf in Salzburg mitzulaufen und dazu mein Training zu optimieren. Es ist mir tatsächlich gelungen, die 2:00 zu knacken und in 1:55 die Ziellinie zu überqueren. Ich habe mich riesig gefreut. An einen ganzen Marathon habe ich mich eigentlich nicht einmal getraut, zu denken.

Aber irgendwann will man, oder wollte ich zumindest, mehr. Ich habe mir gedacht, versuchen kann man es ja. So habe ich bereits im Februar 2017 begonnen, für den LCC Herbstmarathon in Wien zu trainieren. So hart habe ich vorher und nachher nie wieder trainiert, trotzdem musste ich den Marathon bei Kilometer 30 abbrechen. Mir war viel zu heiß (27 Grad) und ich bin viel zu schnell gestartet (aus Fehlern lernt man). Danach war ich unglaublich frustriert, zerknirscht und demotiviert. Ich habe eine längere Laufpause eingelegt und mich dann aber im Februar/März dazu aufgerafft, nochmal ins Marathontraining zu starten. Dieses Mal für den Salzburg Marathon (Mai 2018). Ich denke, durch das Training auf den Herbstmarathon hatte ich eine recht gute Basis, ansonsten wäre der Trainingszeitraum zu kurz gewesen. Im Mai 2018 habe ich dann also endlich meinen ersten Marathon gefinisht. Auch bei diesem Lauf gab es für mich diverse Komplikationen, aber so ist das wohl beim Marathon, man weiß nie, was einen auf den 42 Kilometern so erwartet. Umso größer waren der Stolz im Zielbereich und das Gefühl nach dem Finish – unbeschreiblich, überragend, einzigartig. Hat man das einmal erlebt, will man mehr davon.

Was motiviert dich dazu einen Halbmarathon oder Marathon zu laufen? Was ist dabei dein Ansporn?

Das Schöne am Laufen (zumindest für den Durchschnittsläufer) ist es meiner Meinung nach, dass es nicht darum geht, besser zu sein als irgendjemand anders, sondern darum, einfach sich selbst zu verbessern und seine eigenen Grenzen auszuloten. 21 bzw. 42 Kilometer sind Distanzen, wo man stolz auf sich sein kann, wenn man einfach die Ziellinie erreicht, ohne jetzt noch von einer Zeit zu sprechen. Man setzt sich dann aber automatisch selbst Ziele und, wenn man diese erreicht, gibt einem das ein unglaubliches Hochgefühl. Den Zielen folgen neue Ziele, man entwickelt Ehrgeiz und freut sich über Erfolge im Training. „Wettkämpfe“ waren lange Zeit nicht meins, aber Laufevents sind wirklich ein einzigartiges Erlebnis. Jedem, der argumentiert, er wolle aber nur für sich selbst laufen und könne mit dem Trubel gar nichts anfangen, kann ich nur sagen: Ich habe genauso gedacht, wurde aber eines Besseren belehrt. Probiert es aus. Sicher, solche Laufveranstaltungen sind tatsächlich nicht jedermanns Sache, aber doch sicher wert, sich das einmal anzusehen. Es gibt ja mittlerweile die unterschiedlichsten Bewerbe, man muss ja nicht gleich von einem Halbmarathon oder Marathon reden. Man kann genauso einen 5- oder 10-Kilometer-Lauf absolvieren. Das Wichtigste ist die Freude daran. Der Zusammenhalt unter den Läufern, das Anfeuern der Zuschauer und die ganze Atmosphäre reißen einen einfach mit. Ich möchte zu vorher noch ergänzen, dass man natürlich auch nach einem 5- oder 10-Kilometer-Lauf stolz auf sich sein kann. Die Distanz ist nicht das Entscheidende, sondern der Sieg über den eigenen „Schweinehund“, das Bewusstsein, etwas durchgezogen zu haben, für sich selbst.

Welche Tipps hast du für alle, die auch endlich mal einen (Halb-) Marathon laufen wollen? Womit soll man Anfangen, was muss man beim Training beachten?

Mit Tipps möchte ich vorsichtig sein, da ich kein Profi bin. Wichtig ist, dass die Freude am Laufen nicht verloren geht. Klein anfangen, zielstrebig aber nicht zu verbissen trainieren. Natürlich muss man gewisse Kilometer abspulen, wenn man einen Halbmarathon oder Marathon laufen möchte, aber es bringt nichts, wenn man sich ständig nur noch zwingen muss und die Freude daran komplett verloren geht. Es kommt natürlich auch darauf an, ob man bereits regelmäßig läuft, oder tatsächlich von Null startet. Ich hatte ja vor meinem ersten Halbmarathon schon eine gewisse Basis. Das Training sollte man unbedingt abwechslungsreich gestalten, Strecke und Tempo variieren. Wichtig ist es auch, gewisse Regenerationszeiten einzuhalten, man hat nichts von Überbelastungserscheinungen (ich spreche aus Erfahrung). Ein Trainingsplan ist nicht nur zur Orientierung und Festhalten des eigenen Fortschritts sehr hilfreich, sondern auch, um die Motivation zu erhalten. Hat man einen Trainingsplan, der von einem Profi erstellt und auf einen selbst zugeschnitten wurde, ist das natürlich optimal und man weiß, dass man im Training alles richtig macht. Ganz, ganz wichtig ist auch der richtige Laufschuh. Ich würde empfehlen, unbedingt eine Lauf- und/oder Fußanalyse machen zu lassen (wird bereits in den meisten Sportfachgeschäften kostenlos angeboten) und auf dieser Basis einen Schuh auszuwählen, der perfekt zu einem passt.

Mit jedem Kilometer wächst der Stolz, dass man sich aufgerafft hat, und, hat man den Lauf dann absolviert, kann man sich erstens doppelt auf die Schulter klopfen und zweitens am Abend eine Pizza gönnen

Hattest du einen Trainingsplan?

Ja, ich hatte tatsächlich jedes Mal einen Trainingsplan, wenn auch nicht auf mich maßgeschneidert, sondern mit allgemeinen Vorgaben. Es gibt natürlich verschiedene Bücher zu dem Thema, welche auch Trainingspläne enthalten und verschiedene Apps, wie Runtastic oder Nike Run Club, welche Trainingspläne erstellen und mit denen man auch jeden Lauf tracken kann. Da ich aber bis jetzt nie meine (durchaus realistisch gesetzten) Zeitziele erreichen konnte, habe ich mich kürzlich einer Leistungsdiagnostik unterzogen und trainiere nun mit einem auf mich abgestimmten Trainingsplan. Der Ausdauercheck war zudem sehr interessant und aufschlussreich, auch einen solchen kann ich nur empfehlen, um noch einmal zur vorherigen Frage zurückzukommen. Man lernt nicht nur seinen Körper und die eigene Leistungsfähigkeit besser kennen, sondern erhält wertvolle Tipps, wie man die eigene Leistung sinnvoll und nachhaltig steigern kann.  

Wie schaffst du es, auch an Tagen, an denen du gar keine Lust hast trotzdem laufen zu gehen? Oder gehst du dann gar nicht laufen sondern bleibst zuhause?

Gute Frage. Ich plane die Woche immer grob voraus, bzw. sagt mir mein Trainingsplan, was ich ungefähr machen sollte. Letztendlich entscheide ich dann oft erst am Vortag, was morgen dran ist. Um einem möglichen „Streik“ vorzubeugen, lege ich alles, was ich brauche, schon am Abend bereit (Laufsachen, Schuhe etc.). Wenn ich dann aufstehe, zB um 05:00 Uhr morgens für einen 30 Kilometer Lauf, damit ich beim Aufwachen meiner Tochter wieder zuhause bin, und absolut keine Lust habe, ziehe ich meine Sachen an und gehe trotzdem. Mit jedem Kilometer wächst der Stolz, dass man sich aufgerafft hat, und, hat man den Lauf dann absolviert, kann man sich erstens doppelt auf die Schulter klopfen und zweitens am Abend eine Pizza gönnen 😉. Außerdem habe ich beispielsweise unter der Woche meine Laufsachen immer dabei (im Auto). Wenn sich eine Pause ergibt oder ich vor/nach der Arbeit kurz Zeit habe, nutze ich diese, um zu laufen. Ja, dabei habe ich mich auch schon auf abenteuerlichste Weise umgezogen oder danach mein Fitnessstudio einfach nur zum Duschen und Schminken besucht. Natürlich gibt es auch Tage, an denen ich meine Läufe tatsächlich ausfallen lasse. Das kommt aber nur sehr selten vor und wenn, dann ist es denke ich auch okay so, denn, wie ich schon gesagt habe, sobald das Laufen zum Zwang wird, verlierst du deine Freude daran und damit verabschiedet sich auch die Motivation. Mein Tipp ist also: alles vorbereiten und einfach machen, am besten nicht zu viel nachdenken. Zuhause wirst du dich auf jeden Fall super fühlen und stolz sein.    

Wie motivierst du dich während des Wettkampfs? Wie hältst du durch?

Während meinen Halbmarathons habe ich immer Musik gehört, das hat mich zugegebenermaßen sehr motiviert und ins Ziel getragen. Musik hilft mir dabei, durchzuhalten, auch wenn es schon weh tut. Bei meinem ersten Marathonversuch habe ich festgestellt, dass mich die Musik zu sehr von meinen körperlichen Signalen abgelenkt hat. Zu spät habe ich gemerkt, dass ich viel zu schnell und eigentlich am Ende bin. Zudem ist das Hören von Musik bei den meisten Wettkämpfen (eigentlich) untersagt. Bei meinem ersten Marathon, den ich auch fertig gelaufen bin, habe ich also auf Musik verzichtet. Bei den langen Trainingsläufen habe ich Hörbücher gehört, da ich für meine Diplomprüfung sehr, sehr viele Bücher lesen musste und mir so einige während dem Laufen „reinziehen“ konnte. Puh, 42 Kilometer allein mit sich selbst und seinen Gedanken können ganz schön hart sein. Ich denke, jeder muss für sich selbst Strategien finden, wie er sich am besten motiviert hält. Mir hilft es extrem, den Wettkampf zu unterteilen und nicht zu Ende zu denken. Ich denke zuerst einmal bis zur Hälfe, die unterteile ich aber wieder in kleinere Abschnitte (5 oder 10 Kilometer) und hake im Gedanken ab. Mir helfen auch besonders dissoziative Strategien, das heißt, im Gedanken wegzugehen vom Lauf, an schöne Erlebnisse zu denken, die mir Kraft gegeben haben etc. Natürlich dazwischen unbedingt immer wieder checken, wie es denn um die körperliche Verfassung steht.

Unweigerlich kommt es zu gedanklichen Selbstgesprächen. Mir hilft es, im Vorhinein negative Gedanken, wie zB „ich kann nicht mehr“, oder auch nur negativ (das heißt mit „nicht“) formulierte Gedanken, wie „nicht aufgeben“, in positive Mantras umzuformen, wie etwa in „du schaffst das“, „einfach weitermachen, einen Fuß vor den anderen“ etc. Wichtig ist, das „Gespräch“ mit sich selbst positiv zu halten, sonst hat man meiner Meinung nach verloren. Was enorm motiviert, sind die Zuschauer und deren Zurufe. Wenn dann noch bekannte Gesichter darunter sind, erhält man einen regelrechten Energie-Boost. Trotzdem muss ich zugeben, dass der mentale Teil sicher zu meinen Schwächen zählt. Beim Salzburg Marathon läuft man ja zweimal dieselbe Runde. Ich habe jetzt zweimal teilgenommen und jedes Mal kommt beim Einlauf in die zweite Runde unweigerlich der Gedanke: „Sch…, du musst das alles nochmal laufen.“ Zudem setzt mir generell Hitze enorm zu. Die Sonne brennt gnadenlos vom Himmel, du spürst die ersten 21 Kilometer natürlich körperlich – daraufhin ist bei mir jedes Mal der mentale Einbruch gekommen, das große „Ich will nicht mehr“. Ich habe dann begonnen, mich von Verpflegungsstation zu Verpflegungsstation zu hangeln und es fanden sich jedes Mal ganz liebe MitläuferInnen, die mich einige Kilometer begleitet oder auch nur aufgemuntert haben, das ist mit das Schönste an solchen Bewerben. Es gilt dann, einfach von Kilometer zu Kilometer zu denken und irgendwie ins Ziel zu kommen. Man sieht also, ich kann, muss und werde an meiner mentalen Stärke noch viel arbeiten.

Was war bisher dein schönstes Marathon-Erlebnis?

Es hat viele schöne Momente gegeben. Meine Tochter und mein Papa bei Kilometer 38 beim heurigen Salzburg Marathon, die mich mit dem Rad bis zum Ziel begleitet haben. Eine Freundin mit ihrer ganzen Familie, die immer zum Anfeuern zum Salzburg Marathon kommen und für mich ein Highlight sind. Meine Mama und Co., die mich bei meinem ersten Marathon überrascht haben (ich dachte, sie hätten keine Zeit, um zuzusehen). Das Abklatschen von Kinderhänden, die anderen LäuferInnen, der Zusammenhalt … Aber das für mich schönste Marathonerlebnis war heuer beim Salzburg Marathon, als ich halbtot bei Kilometer 31 plötzlich meinen Trainingspartner auf einer Bank sitzen gesehen habe. Es war wie eine Erscheinung und gemeinsam konnten wir die letzten 11 Kilometer noch irgendwie meistern.

Was sind deine nächsten Ziele? Bei welchem Lauf findet man dich dieses Jahr noch?

Um ehrlich zu sein habe ich zurzeit ein kleines Tief. Ich war vor dem Salzburg Marathon schon leicht angeschlagen und hatte im Training und auch beim Lauf Probleme mit dem Ischias. Ich kämpfe zurzeit mit den Nachwirkungen, auch in mentaler Hinsicht. Vielleicht laufe ich im Oktober beim München Marathon mit, aber das steht wirklich noch in den Sternen. Jetzt heißt es für mich erstmal, mich auszukurieren, nach neuem Trainingsplan zu trainieren und die vorher groß gepredigte Freude am Laufen wieder zu finden. Das Ziel von einem Marathon in oder unter vier Stunden lasse ich jedenfalls nicht los, so viel ist sicher.

Liebe Lina, vielen lieben Dank für das tolle Interview! Wir sind wirklich beeindruckt. Und wie wir dich kennen, sind wir uns sicher, dass deine Motivation nicht mehr lange auf sich warten lässt 😉 Wir wünschen dir für deine nächsten Läufe alles Gute und noch viele, tolle Erfolge!

P.S.: Bevor ihr euch jetzt wundert – nein, wir zwei planen nicht einen Marathon zu laufen. Aber das Thema an sich ist einfach sehr interessant für uns & hoffentlich auch für euch! Also – ob Marathon oder 5 Kilometer – rein in die Laufschuhe und los!


2 Gedanken zu „Interview: Ziel – Marathon!“

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